Free-To-Play: Fluch oder Segen?

Was macht das Konzept „free-to-play“ so erfolgreich ?

Es ist eine Branche, die vor 20 Jahren noch absolut undenkbar gewesen wäre und heute eine der größten, wenn nicht sogar die größte Einnahmequelle im Videospielbereich. Doch warum ist diese Art von Spiel so erfolgreich, dass es Firmen gibt, die sich komplett auf Free-to-play Spiele verlassen ? Und hat die Free-to-play Kultur auch Nachteile für „normale“ Developer ?

Quelle: warthunder.com//Warthunder, ein bekanntes Spiel mit dem Free-To-Play Konzept

Manche Free-to-play Spiele sind in der Videospielwelt eine echte Größe, wie zum Beispiel „World of Tanks“von Wargaming oder „League of Legends“ von Riot Games. Doch an dieser Stelle versuche ich einmal ganz generell zu untersuchen, wie Free-to-play Spiele trotz so großer Konkurrenz der AAA Titel so erfolgreich sein können.

Zunächst einmal schalten viele Free-to-play Spiele heutzutage in Apps oder gezielt im Internet Werbung, um bestimmte Zielgruppen zu locken und gerade junge Spieler werden oft von der Werbung in den Bann gezogen, denn die Spiele sind (zunächst) kostenlos und laufen meistens auch auf schwächeren oder älteren Rechnern, auf denen neuere Erscheinungen nicht mehr oder nur ruckelig laufen. Und auch nachdem die erste Enttäuschung darüber, dass das Spiel doch nicht so imposant ist, wie es in der Werbung scheint, bleiben die meisten Spieler, denn die Spiele bieten meistens ein schnelles erstes Erfolgserlebnis und sind vergleichbar leicht am Anfang zu meistern, was einem natürlich ein besseres Gefühl als zum Beispiel ein „Dark Souls“ oder ein „Total War“ hinterlässt, welche bei Neueinsteigern gerne auch mal für bleibenden Frust sorgen. Doch nach dem leichten Einstieg kommt der Knackpunkt, an dem sich die Spiele trennen. Die einen werden schnell fast unschaffbar schwer und bitten einen zur Kasse damit man noch in zumutbaren Zeiten weiterkommt, die anderen sind subtiler und setzten darauf, dass man mit weiteren Erfolgen Geld ins Spiel investiert. So oder so bedarf es relativ wenig Aufwand an Entwicklung damit der Rubel rollt, doch es zeigt sich, dass die faireren Bezahlmodelle sich schneller verbreiten, da die Mundpropaganda bei free-to-play Spielen ein weiterer sehr wichtiger Faktor ist. Denn ein free-to-play Spiel ist schnell heruntergeladen wenn man Lust bekommt zusammen zu spielen, während der Kauf eines Spiels für 50€ gerade bei jener weniger zahlkräftigen Altersgruppe für Zögern sorgt.

Außerdem zeigt sich, dass free-to-play Spiele Spielkonzepte vermitteln können, die einem keinen Vollpreis oder ein Abonnement wert sind, da sie kaum bis keine nennenswerte Story haben oder ein relativ simples und wenig inovatives Gameplay bieten. Das bedeutet natürlich keineswegs, dass sie keinem Spaß machen können und es trifft auch natürlich nicht auf alle zu, doch zumindest ich würde weder für ein „League of Legends“ noch für ein „War Thunder“ 50€ oder mehr auf die virtuelle Theke legen. Und trotzdem bieten sie gerade durch ihren Rundencharakter gerade an beschäftigteren Tagen eine willkommene Zwischenpause, die keine großen Kraftaufwand erfordert.

Und der letzte große Erfolgsfaktor liegt natürlich bei den Updates, denn schließlich liebt jeder Updates mit frischem Content (außer er hat eine Bambusleitung). Und fast kein Bezahltitel liefert so konstant so große Updates mit neuen Inhalten, welche neue Spieler anlocken.

Quelle :starwars.gamona.de//Star Wars: Old Republic, wohl einer der bekanntesten Free-to-Play Titel und ein extrem gutes Beispiel

Doch warum dominieren die free-to-play Spiele den Markt noch nicht komplett ? Die Antwort darauf ist relativ simpel. Denn dieses Erfolgsmodell klappt nicht immer, denn das Spiel mit genug Anziehungskraft zu versehen, damit die Spieler kommen und bleiben ist trotz oben genannter Faktoren eine Gratwanderung, die viele nicht gemeistert bekommen und so sind schon große Entwickler wie Crytek durch gescheiterte free-to-play Projekte an den Rand des Ruins gerutscht. Und mit dem in den letzten Jahren immer größer gewordenem Angebot sind auch die Erwartungen der Spieler an die Entwickler gestiegen, so dass nicht mehr ein liebloser WoW Abklatsch reicht.

Doch auch normale Developer leiden unter dieser Entwicklung, denn die Spieler erwarten immer öfter, dass auch die größten Entwicklungen zum Nulltarif verfügbar werden, was zum Beispiel EA mit seinem Monatsabo zu kompensieren versucht. Doch auf der anderen Seite bieten diese Spiele auch vielen neuen Spielern einen ersten Blick in eine Welt, die wir zu schätzen und zu lieben gelernt haben, was im Endeffekt allen zu Gute kommt.

Darum sollte man die free-to-play Spiele weder vergöttern noch verfluchen, denn am Ende gilt auch für sie : Im Leben gibt es nichts geschenkt.

Euer #Colgodoya

SirOtto

Written by: SirOtto

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